Das Highlight des Jahres 1969 war das Erscheinen der Perry Rhodan-Serie in den USA bei Ace-Books. Als Herausgeber fungierte der bei den Rhodan-Lesern bestens bekannte Forrest J. (Forry) Ackerman. Die Übersetzungen erledigte seine in Deutschland geborene Frau Wendayne, genannt Wendy.
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Der RHOCON I fand zwar erst 1976 in Washington D.C. statt; ich möchte aber heute schon aus dem Begleitheft zum Perry Rhodan-Con den Beitrag von Forry Ackerman bringen, den er seiner Frau gewidmet hatte. Ich finde ihn „touching“.
Ein weiterer Erfolg des Jahres war der Start der Perry Rhodan-Taschenbücher in die zweite Auflage.
Ein Ereignis, das nicht nur die Perry Rhodan-Leser, sondern fast die ganze Welt beeindruckte, war die Mondlandung der APOLLO 11 Besatzung am 20. Juli 1969, einem Sonntag. Die NASA landete somit knapp zwei Jahre früher auf dem Erdtrabanten als Perry Rhodan, der mit der STARDUST am 19.Juni 1971 zum Mond startete.
Die Aufnahmen faszinierten uns und wir verfolgten gespannt die Berichte. Nicht jeder teilte unsere Begeisterung und es gab sogar Menschen, die diese Mondlandung bezweifelten oder meinten, man solle das Geld für wichtigere Dinge nutzen. Im August meldete ich mich zusammen mit drei Freundinnen von der Rosenhöhe bei der Fahrschule an. Willi meinte, dass es an der Zeit sei, diesen Schritt zu tun. Er würde sich schon um die Kinder kümmern, wenn ich Fahrstunden hätte.
Ende September verkündete mir der Fahrlehrer, dass er mich für die Prüfung am 2. Oktober angemeldet habe. Ich solle bitte um acht Uhr in der Fahrschule sein.
Es war ein Samstag und ich bat Willi, der wie üblich am Freitag zur Spielersitzung ging, nicht zu spät nach Hause zu kommen. „Wecke mich bitte spätestens um sechs Uhr – nur für den Fall, dass ich verschlafen sollte.“
Ich wollte rechtzeitig aufstehen, damit ich die Kinder und meinen Mann noch versorgen konnte.
„Kein Problem“, meinte Willi. „Kannst Dich auf mich verlassen!“
Wie immer, wenn ich etwas Wichtiges vorhatte, wachte ich früh auf. Ich schaute auf die Uhr. Fünf Uhr, eigentlich ein bisschen früh, dachte ich. Noch etwas verschlafen drehte ich mich auf die andere Seite, um nach Willi zu sehen. Sein Bett war unberührt. In meinem Kopf schwirrten die schlimmsten Gedanken. Es kann nicht sein, dass er ausgerechnet an diesem wichtigen Tag nicht pünktlich nach Hause kommt. Das würde er nie tun. Völlig aufgelöst lief ich in der Wohnung herum. Die Kinder schliefen noch. Sollte ich die Polizei anrufen, oder doch noch etwas warten? Um kurz vor sechs rief ich bei Willis Sportfreund Otmar an, von dem ich wusste, dass er immer früh aufsteht. „Als ich um zwei Uhr ging, war Willi noch da“, sagte Otmar. „Er wird schon kommen.“ Otmar hatte Recht. Um Punkt sechs Uhr kam Willi zur Tür herein. In einer Mischung aus Ärger und Erleichterung begann ich, ihm Vorwürfe zu machen. Er hatte kein Verständnis für meine Vorwürfe. „Du wolltest doch um sechs Uhr geweckt werden. Hier bin ich, pünktlich zum Wecken!“ Mir verschlug es die Sprache. Was sollte man darauf noch antworten? Ich hoffte, dass er munter genug war, um seine beiden achtzehn und vier Monate alten Söhne beaufsichtigen zu können, und dass ich bald wieder zu Hause sein werde – mit Führerschein.
In der Fahrschule angekommen sagte mir der Fahrlehrer, dass meine Unterlagen nicht da seien. „Ich muss nach Darmstadt ihre Papiere holen. Ich habe sie erst letzte Woche angemeldet. Die Zeit war zu kurz. Machen sie sich keine Sorgen, das geht schon in Ordnung, dauert nur etwas länger.“
Gleich darauf begann die theoretische Prüfung. Als diese beendet war, wurde die eigentliche Fahrprüfung gestartet. Ich musste warten. Ohne Papiere gab es keine Prüfung. Nach einer endlos erscheinenden Zeit kam mein Fahrlehrer an und winkte mir mit den wichtigen Papieren zu.
Es war bereits vierzehn Uhr, als ich endlich im Auto saß und zeigen durfte, dass ich das Autofahren gelernt hatte.
Als ich in unsere Wohnung zurückkam begrüßten mich die Kinder freudig. Meine Freude wurde etwas gemildert durch den Zustand, in dem sich unser Wohnzimmer befand. Willi hatte den Buben unsere Tageszeitung zum Spielen gegeben. Die Samstagsausgabe ist besonders dick und Stephen hatte seine Freude daran, jedes Blatt in Einzelteile zu zerlegen.
„Männer“,sagte ich nur und freute mich mit Willi über meinen erworbenen Führerschein.
Eine Woche später fand die Buchmesse statt. Auch in diesem Jahr wurden KHS und Heidrun gemeinsam mit Willi und mir von Rolf Heyne und seiner Frau Roswitha zum Abendessen in die „Frankfurter Stubb“ eingeladen. Der Cheflektor Kurt Bernhardt, der Herstellungsleiter Willi Hauck und weitere Verlagsangehörige waren ebenfalls anwesend.
Wie immer gab es gut zu Essen und wir waren bester Stimmung. Es war bereits zu später Stunde und wir dachten ans Nachhausegehen, als W. Hauck Herrn Heyne ansprach: „Wollten Sie nicht noch über etwas Wichtiges sprechen, Herr Heyne?“
Es kam der Eindruck auf, dass es um ein Thema ging, das Herrn Heyne nicht so einfach über Lippen kommen wollte. Dann begann er uns mitzuteilen, dass der Moewig-Verlag an die in Hamburg ansässige Heinrich Bauer KG verkauft worden sei, dass sich aber für die Autoren nichts ändern würde.
Nach kurzen Diskussionen und Spekulationen wie es wohl weitergehen werde, trennte man sich. Wir gingen mit KHS, Heidrun Scheer und Kurt Bernhardt zum gegenüberliegenden Parkhaus. Herr Bernhardt ließ uns wissen, dass auch er nicht sicher sei, wie es für ihn weitergehen würde; hoffte jedoch auf die Unterstützung der Autoren, falls es bei der Personalpolitik um seine Person gehen sollte.
„Um eure Zukunft braucht ihr euch keine Sorgen zu machen“, beruhigte er KHS und Willi. Dann fügte er in bestem Frankfurter Dialekt hinzu: „Ihr werd all noch Millionäre!“
Ich bin sicher, dass auch er damals schon wusste, dass es Illusion war. Er wollte uns nur beruhigen. Warnte aber auch gleichzeitig davor, dass die großen Konzerne ganz andere, nämlich amerikanische, Methoden anwenden würden.
Das Thema Verlagswechsel beschäftigte uns noch eine Zeit lang, sollte aber für die Zukunft keinen Nachteil bringen.
Bis zum Jahresende schrieb Willi noch die Perry Rhodan-Romane:
Nr. 428 „Die Hölleninsel“ (erschienen mit dem Titel: Die Stunde der Thunderbolts)
Nr. 432 „Corellos Geheimplanet“ (Die Welt der Mutanten)
Nr. 433 „Planet der 1000 Fallen“ (Die Stadt der tausend Fallen)
Nr. 438 „Gefangene der Cappins“ (Im Jahr der Cappins)
Nr. 442 „Die Natur explodiert“ (Die Bestien von Zeut)
Nebenbei fertigte William Voltz noch Exposés für Quelle-Features an.
In einem Schreiben vom 15.Oktober 1969 schrieb Herr König:
Lieber Herr Voltz,
Dank für die Blitzlieferung BUFFALO BILL – SPUREN IM SAND.
Bitte als nächstes Exposé nochmals ein Buffalo Bill Exposé, damit ich hier auf einen kleinen Vorsprung komme.
Danach dann die Felsennest-Episode.
Ich hoffe, daß wir trotz Moewig-Verpflichtungen mit unseren Scripten schnell vorankommen.
Beste Grüße, Ihr König
Willi stellte seine Vielseitigkeit immer wieder unter Beweis. Immer häufiger kamen Leserbriefe mit Anregungen, Vorschlägen und natürlich mit der Bitte um ein persönliches Gespräch. Wenn es möglich war, erfüllte Willi die Wünsche der Leser.
Der Perry Rhodan Club Paladin bat z.B. um fünf weitere Clubausweise und darum, dass endlich die Clubanschrift veröffentlich werde.
Der Leser Michael A. schrieb an Willi:
… vor einiger Zeit waren wir (meine Klassenkameraden und ich) auf einer Studienfahrt.
An einem Abend diskutierte ich dann mit ein paar Kameraden (alles PR-Gegner) über Perry Rhodan. Ich konnte sie, obwohl sie Perry Rhodan nicht kennen, und nur das wussten, was sie irgendwann einmal gehört hatten, nicht überzeugen, dass das verkehrt war, was sie behaupteten, sie sagten nach wie vor Perry Rhodan sei „Mist“.
In der Deutschstunde kam dann das Problem auch zur Sprache. Ich als PR-Kenner wurde beauftragt, ein Referat als Grundlage für eine Diskussion über die Romane zu halten. In diesem Zusammenhang („Warum schreiben die Autoren diese Romane?) wendete ich mich dann an Ihren Kollegen Herrn Ernsting. Er gab mir eine ausführliche Antwort auf diese Frage und verwies dann auch noch an Sie, da Sie ja in meiner Nähe wohnen.
Darum möchte ich nun auch noch einmal meine Frage an Sie richten: Warum schreiben Sie PR? Ist der Mensch „Herrscher über alles“? Welche Stellung im Universum nimmt er ein?
Ich hoffe nämlich, dass ich mit Hilfe dieser Antworten dann wenigstens einen Teil der Klasse überzeugen kann, dass PR doch „nichts Schlechtes“ ist.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie es so einrichten könnten, und es Ihre Zeit erlaubt, dass ich Sie einmal persönlich aufsuchen könnte, um dieses Problem einmal durchzusprechen.
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Brief von R. Heyne. Bild klicken zum Lesen. |
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Dieses Schreiben war repräsentativ für viele Leserbriefe. Die Meinungen zum Thema Perry Rhodan gingen auseinander, dienten aber, vor allem bei jungen Menschen, als Grundlage für Diskussionen. In den siebziger Jahren erschien „Unser Mann im All“ in den Büchern für den Deutschunterricht der neunten Klasse. Willi bekam viele Einladungen, an diesen Diskussionen teilzunehmen. Wann immer er Zeit hatte besuchte er die Schulen, auch wenn diese nicht im Raum Frankfurt, sondern z.B. in Bremen oder Hamburg waren. Der Kontakt zu den Lesern war Willi und auch seinen Kollegen sehr wichtig.
Zum Jahresende erreichte uns wie jedes Jahr ein freundliches Schreiben der Geschäftsleitung des Moewig-Verlags.
Es war eine nette Geste die den Autoren zeigte, dass man ihre Arbeit nicht nur honorierte sondern auch respektierte.
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