Ich bin ein Gutmensch und heisse Lirli. Ich bin in heilsamer Mission unterwegs, im Namen der Erde. Die Zivilisation der Erdlinge hatte sich in den letzten Jahrtausenden Ÿber die gesamte Galaxis ausgebreitet. In einer gršsstenteils friedlichen Expansion, denn das einzige, was wir von den anderen Bewohnern der Milchstrasse (weiter sind auch wir nicht gekommen) fordern: Anerkennung unserer AutoritŠt. Das klingt nach Unterwerfung, ist es aber nicht. Die eingesammelten (Achtung: Spezialterminus) Všlker verpflichten sich lediglich dazu, keine kriegerischen Handlungen gegen uns zu vorzunehmen und uns Landerechte auf ihrem Planeten zu gewŠhren. Ansonsten lassen wir die vorgefundenen Zivilisationen in Ruhe. Meine Aufgabe als diplomatische Gesandte ist es, neu entdeckte Volksgemeinschaften von diesem Prinzip zu Ÿberzeugen. Jetzt mal im Ernst: Wer will sich schon mit Borocki, Quirks oder Taltaronen herumschlagen?
Die Equanen bewohnen einen gemŸtlichen, kleinen Mond, der um einen Riesenplaneten kreist. Wir haben sie so genannt, da sie kein klassisches Herrschaftssystem kennen; alle Equanen sind gleich. Das klingt erst einmal erfreulich, hat aber einen gravierenden Nachteil. Da sie alle gleich sind und keine andere Gesellschaftsform kennen, fŠllt es ihnen schwer, die Erdlinge als etwas Hšheres zu akzeptieren. Gut, das ist nichts Ungewšhnliches. Die meisten Ausserirdischen haben ihre liebe MŸhe damit, uns als die Herren des Universums anzuerkennen. Das ist der Zeitpunkt, wo ich in Aktion trete. In einer vollkommen durchsichtigen Kugel schwebe ich vom Himmel herab und lande - sofern vorhanden - mitten auf einem belebten Platz im Zentrum der Hauptstadt. Dort steige ich langsam aus, nur mit einem einfachen Leinentuch bekleidet, um meine friedfertige Absicht zu unterstreichen, und eile schnurstracks zum AnfŸhrer des aufgefundenen Všlkchens. Meistens reichen drei, vier Tage, um die anderen von den Vorteilen eines solchen Abkommens zu Ÿberzeugen. Falls nach vier Wochen immer noch kein EinverstŠndnis vorliegt, ziehe ich mich zurŸck, meine Kollegen von der âSchnellen EingreiftruppeÕ kommen vorbei und leisten die verbliebene †berzeugungsarbeit. Doch soweit lasse ich es schon aus Berufsstolz nicht kommen.
Ich landete also auch hier auf einem belebten Markplatz und wurde zur BegrŸssung unter einer Lawine von equanischen FrŸchten begraben. Da diese viel weicher sind als die unsrigen, triefte es bald nur so an meiner Raumkugel herunter. Vor allem in blauen (equanische Birnen) und orangen (equanische Bananen) Streifen. Doch das erschŸtterte mich nicht im Geringsten, es war die normale BegrŸssungsprozedur auf dieser speziellen, kleinen Welt. Sobald ich meine Kapsel šffnete, hšrte die Werferei auf und ich wandte mich an die Bevšlkerung: ãLiebe Equanen, mit wem kann ich sprechen?Ò
Hervor trat Bruno: ãMit mir, Erdling.Ò
Wir redeten eine knappe Stunde miteinander, dann zogen wir uns zurŸck. Bruno hatte mir erklŠrt, er spreche fŸr alle, da alle wie er sprŠchen. Das war gut. Er hatte aber auch gesagt, er kšnne mir keine Zusage machen. Das war schlecht. Ich fragte, ob er Bedenkzeit brauche, doch er verstand mich nicht. Dieser Begriff existiert in der equanischen Sprache nicht. So beschloss ich, vorerst da zu bleiben. Die Equanen schienen mir freundliche Leute zu sein, obwohl sie potthŠsslich waren mit ihren breiten, abgeplatteten Kšpfen, ihrem kleinen Wuchs (hšchstens einen Meter vierzig gross) und der grŸn-grauen, pockenartigen Haut, die an eine Kršte erinnerte. Ich hatte ja vier Wochen Zeit, da wŸrde mir schon etwas einfallen. Und siehe da, bereits am folgenden Tag lud mich Bruno ein, an seinem Marktstand auszuhelfen, was ich gerne annahm. Ich verkaufte equanische €pfel, Feigen, Mandarinen und Erdbeeren, lernte die einzelnen Fruchtsorten kennen. Die meisten waren fŸr meinen Geschmack ungeniessbar, einzig equanische Aprikosen hatten es mir angetan. Nach fŸnf Tagen kannte ich bereits alle Marktteilnehmer, diskutierte und scherzte mit ihnen. Dann fragte mich Brunos Nachbar, ob ich nicht einen Tag zu ihm kommen wolle. Ich sagte freudig zu und wanderte die nŠchsten einundzwanzig Tage von einem Stand zum anderen, bis ich wieder bei Bruno angelangt war.
Jetzt wurde es aber hšchste Zeit, NŠgel mit Kšpfen zu machen. Die vier Wochen waren beinahe um und ich wollte auf keinen Fall, dass meine Freunde von der schnellen Truppe hier ihre Argumente ausfuhren. Schliesslich hatte ich so viel Freundschaft und Herzlichkeit erfahren wie selten zuvor. Tage voller gemeinsamer Zuneigung, so liesse sich mein knapp vierwšchiges Dasein auf dem kleinen, gemŸtlichen Planeten umschreiben.
Ich wandte mich an Bruno: ãDie Zeit ist um. Ich muss zurŸck, Bericht erstatten. Seid ihr mit unserem Vorschlag einverstanden?Ò
In meiner VerzŸckung muss ich wohl das kurze, dunkle Aufblitzen in seinen Augen Ÿbersehen haben.
ãGehÕ hin, wir sind einverstanden, ErdlingÒ, sagte er zu meiner grossen Freude.
Alle waren sie gekommen, um mir gute Reise zu wŸnschen. NatŸrlich war die Kugel blitzblank geputzt, und so stieg ich ein, TrŠnen in den Augen.
Mein GefŠhrt schoss hoch, die Equanen winkten, ich winkte zurŸck, dann drŸckte ich - Mission bleibt Mission - den Sendeknopf, um die frohe Botschaft zu verkŸnden, doch anstatt des Ÿblichen kurzen Knackses blieb es still. Jetzt erst fiel mit auf, dass die Anzeigen auf den Instrumententafeln sich gar nicht verŠnderten. Sie zeigten immer dieselben (Phantasie-)werte an. Erst glaubte ich an einen Defekt, holte mein Notrufset hervor: kaputt!
In mir stieg ein hŠsslicher Verdacht hoch: Die Equanen hatten wŠhrend meiner fršhlichen Markttage mein Raumschiff manipuliert! Anders war der vollstŠndige Ausfall aller Steuer- und Kommunikationssysteme nicht zu erklŠren. Blinde Wut erfasste mich. Noch nie war ich dermassen getŠuscht worden wie von diesen . . . diesen . . . Mir fehlten die Worte.
âDabei sind sie alle gleichÕ, dachte ich traurig, bevor mich der Blitz der Erkenntnis traf.
Alle EQUANEN sind gleich, Menschen zŠhlen nicht dazu. Ich merkte, wie mein Blutdruck anstieg, besann mich jedoch sofort, denn mir wurde schockartig bewusst, dass ich nur einen Sauerstoffvorrat von siebzig Stunden besass. Ich wusste auch, dass nach jedem Start ohne nachfolgende Funkmeldung automatisch eine Bergungsaktion eingeleitet wurde. Diese dauerte zwischen vierzig und neunzig Stunden . . . Ich musste also ganz ruhig bleiben, nur dann hatte ich eine Chance. Trotzdem ging mein Atem schneller, ich hatte mich noch nicht beruhigt, im Gegenteil.
ãDiese verfluchten, dreckigen, EquanerkrštenÒ, schimpfte ich laut vor mich hin, wŠhrend ich hinaus ins All starrte. ãEuch werde ich die ganze verdammte Spezialarmee auf den Hals schicken.Ò
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Ende der Aufzeichnung.
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Ich bin ein Gutmensch und heisse . . .