Sternschnuppen

ãGut, dass ihr gleich gekommen seid!Ò Sie lŠchelte. Nur die wei§e Nasenspitze und die dŸnne Stimme verrieten ihre Anspannung. Sie schloss erst mich in die Arme, dann – flŸchtiger - Tlotl. Trotz allen Kummers war ich dankbar fŸr die Geste. Als ich ihr Tlotl vor einem halben Jahr vorgestellt hatte, war sie ausgesprochen reserviert gewesen. Wer ist schon scharf auf Enkelkinder mit spitzen Ohren und grŸnem Blut? Auch wenn es noch gar kein Thema war - MŸtter sind vermutlich genetisch so programmiert.

ãIch bin froh, dass du uns gleich benachrichtigt hastÒ, entgegnete ich und bereute meine Worte im gleichen Moment. Blo§ kein Vorwurf!

Ihr LŠcheln wirkte nun doch etwas gequŠlt.

ãEs sind ja nun schon drei Tage. Ich wusste einfach nicht – Ò, sie zšgerte und setzte fort: ãIch musste mir erst einmal klar werden - Ò, wieder stockte sie. Von ihrer anfŠnglichen Contenance war nichts geblieben. Auf einmal wirkte sie wie ein hilfloses Kind. Was hŠtte es genutzt, ihr VorwŸrfe zu machen, sie hŠtte uns am ersten Abend bereits verstŠndigen sollen? Wozu wŠre es auch gut gewesen, wenn ich ein paar Tage frŸher von seinem Verschwinden erfahren hŠtte? Drei lange Tage Unsicherheit, Beunruhigung, Verzweiflung, Resignation, Trauer. Das ganze Spektrum, das ich auf unserem Flug zur Erde in einem halben Tag durchgemacht hatte! Warum verdammt noch mal ausgerechnet jetzt?

NatŸrlich habe ich versucht zu verstehen, was in ihr vorgegangen sein mochte! Ich habe Tlots Hand wŠhrend des ganzen Flugs nicht losgelassen, obwohl ich wei§, dass er es nicht mag. Wenn Tlotl verschwinden wŸrde – Es wŠre gewiss anders! Es gŠbe Ÿberhaupt keinen Grund, die Zivilpolizei nicht sofort zu verstŠndigen! Wir Menschen quŠlen uns immer mit irgendwelchen irrationalen Gedanken herum!

Tlotl lie§ sich nichts anmerken. Nie. Ich wusste dennoch, dass er litt. Schlie§lich war er Vulschane, ein Mischling. Vater und er hatten wŠhrend der letzten Expedition so eng zusammengearbeitet!

Gleich nach der Landung war Colcon mit ihm in mein Labor auf der Mondstation gekommen: ãEna, ich muss dir Tlotl vorstellen!Ò Nach drei§ig Jahren Kulturforschung hatte Vater sich zum halben Vulkanier entwickelt. Wenn er von ãmŸssenÒ sprach, dann ging es nicht darum, dass ich die nŠchsten drei Jahre mit dem neuen Kollegen zusammen zu arbeiten hŠtte, sondern es stand fŸr seine hšchste WertschŠtzung. Die ganz offensichtlich auf Gegenseitigkeit beruhte.

ãBitte erzŠhl uns, was Colcon zuletzt gesagt und getan hat, SaniÒ, bat Tlotl meine Mutter, als sie uns in den Mainroom fŸhrte. Erst nachdem sie  GetrŠnke geholt und sich hingesetzt hatte, nahm auch er Platz. Tlotl behandelte Menschen mit gro§em Respekt, aber meiner Mutter  begegnete er nahezu mit Ehrfurcht. Weil er seine eigene Mutter kaum gekannt hatte? Oder wollte er sie so aus der Reserve locken?

ãEr war mittags erst aus dem Space-Center zurŸckgekehrtÒ, sagte Mutter. Sie hatte offensichtlich MŸhe, ihre zitternden HŠnde beim Einschenken unter Kontrolle zu halten. ãEr schien erschšpft. Hat nicht viel gesprochen. Aber so war er ja immer.Ò

Sie hob das GetrŠnk zum Gru§, nippte aber nur kurz und fasste gleich mit der linken Hand nach, als sei die Rechte nicht in der Lage, das Glas sicher zu halten. ãEr hat ausgepackt und sich umgezogen. Dann wollte er noch einmal weg. Keine Ahnung, wohin. Er ist in sein Shuttle gestiegen und war weg.Ò Mutter legte eine Hand auf meinen Unterarm und blickte mich Hilfe suchend an: ãDu kennst ihn doch, Ena, er hat nie gesagt, was los war, hat doch immer alles mit sich allein ausgemacht!Ò

Warum sprach sie von ihm in der Vergangenheitsform?, fragte ich mich unwillkŸrlich. NatŸrlich, sie wollte sich schŸtzen. Sie hat sich immer zu schŸtzen versucht, wenn er weg war. Sich in ihre TŸfteleien gestŸrzt und getan, als existierte er nicht. Ich bin praktisch ohne Vater aufgewachsen. Und doch – ihre Sehnsucht habe ich immer gespŸrt - und Ÿbernommen! War ich nicht mein ganzes Leben lang bestrebt ihm zu imponieren, ihm nachzueifern? Meine Mutter hatte mich von klein auf an ihren Konstruktionen teilhaben lassen. Maschinen auseinander nehmen, neue erfinden, das waren meine Kinderspiele. Trotzdem habe ich mich spŠter der Biologie zugewandt und Grundlagenforschung betrieben, die die kulturwissenschaftlichen Studien meines Vaters stŸtzen sollte.

Der Caller blinkte. Tlotl und ich wurden zur Befragung ins Polizeidepartement beordert. Eine halbe Stunde spŠter bat uns ein Officer Macenzie nacheinander zum GesprŠch. Nach zwei, drei Fragen zu Personalien kam er zur Sache: ãWann haben Sie Ihren Vater zuletzt gesehen, Miss Dort? Hat er dabei irgend etwas angedeutet, das mit seinem Verschwinden zu tun haben kšnnte?Ò Ich erzŠhlte ihm von Colcons Besuch in der Mondstation vor Ÿber einem Jahr. Er war nur ein paar Tage fŸr die Projektvorbereitung geblieben: eine seit Jahren geplante genetische Untersuchungsreihe zu Resistenzen verschiedener Ethnien gegen eingeschleppte Erreger, die ich mit Tlotl durchfŸhren sollte. Dann war er zur Erde geshuttled, zu Sani. Vor seinem nŠchsten Start hatte ich ihn nicht mehr gesehen, nur gelegentliche Messages mit ihm getauscht.

Ob ich irgendetwas Besonderes bemerkt hŠtte? Eine VerŠnderung?

Ich schŸttelte den Kopf. Vater war immer gleich unnahbar gewesen.

ãEr hat sich nach unserem Projekt erkundigt und nach TlotlÒ, sagte ich.

ãIhrem Partner?Ò

ãWir haben uns da ja gerade erst kennen gelerntÒ, entgegnete ich und spŸrte eine leichte Hitze in meinem Gesicht aufsteigen, ãmein Vater hatte nur einen Zwischenstopp von knapp vier Wochen eingelegt, bevor er wieder nach Vulkan aufgebrochen ist. Tlotl und ich sind uns im Verlauf des nŠchsten Jahres bei der Arbeit auf der Station nŠher gekommen. Wir wollten es Colcon erst nach seiner RŸckkehr erzŠhlen.Ò

Immer noch konnte ich mir dieses alberne Grinsen nicht verkneifen, wenn ich an den Moment dachte, wo unsere wochenlang angestauten GefŸhle sich Bahn gebrochen hatten! Was mochte der Officer von mir denken? Ich schloss die Augen und rieb mir die Stirn, als mŸsste ich meine Gedanken ordnen. Ich wei§ nicht, ob es mir gelang es zu verbergen. Sein Ausdruck war Šhnlich stoisch, wie ich es von Vater und Tlotl zur GenŸge kannte. - MŠnner! Tlotl wŸrde das nie passieren! Und dennoch! Wie er mich angeschaut hatte! Ich hatte ihm die Pipetten gereicht, er nahm sie, wŸrdigte sie keines Blickes, sah mir stattdessen tief in die Augen und sagte: ãDiese Daten sind nicht verwertbar.Ò ãIch liebe dich auchÒ, habe ich geantwortet, denn so viel war klar: Er wŸrde mich in alle Ewigkeit nicht kŸssen, wenn ich ihm nicht endlich grŸnes Licht gŠbe! Ich habe es keine Sekunde bereut. Nie zuvor hatte ich einen so fantastischen Liebhaber! Ein Mann, der seine Triebe derart beherrschen konnte! Der seine volle Aufmerksamkeit mir und meiner Befriedigung widmete! Sekundengenau in dem Moment, in den er mich unendlich langsam einem unvergleichlich ekstatischen Hšhepunkt zu getrieben hatte, durchschauerte es ihn, sein Blick verschleierte sich, und er kam. Auch sein Erguss war im †brigen grŸnlich. Aber bis auf die Farbe wiesen die Samen unter dem Mikroskop keine Abweichungen von menschlichen auf. Ich hatte es mir nicht verkneifen kšnnen, auf der Toilette anschlie§end einen kleinen Abstrich zu nehmen.

Officer Macenzie rŠusperte sich. ãUnd wann haben Sie zuletzt eine Message empfangen? Was schrieb er?Ò

ãVor einer Woche. Er kŸndigte seine RŸckkehr an, und wir verabredeten, dass ich mit Tlotl runterkommen wŸrde. Wir hatten uns extra frei genommen in der Woche darauf.Ò UnwillkŸrlich legte ich die Hand auf den Bauch. Er bemerkte es nicht, weil er gerade etwas notierte. Dann lehnte er sich zurŸck, legte die gespreizten Fingerspitzen zusammen und fragte: ãIst die Ehe Ihrer Eltern eigentlich glŸcklich?Ò

Ich atmete tief ein und lehnte mich ebenfalls zurŸck. ãWas fŸr eine Frage!Ò Seine Augen schienen durch mich hindurch zu blicken.

ãIch denke jaÒ, sagte ich, ãzumindest haben sie sich nie gestritten.Ò

Er sah mich erwartungsvoll an.

Ich zuckte die Schultern: ãEr war ja immer unterwegs. Es war sicherlich nicht leicht fŸr sie. Aber sie hat ihm nie VorwŸrfe gemacht.Ò Mir fiel auf, dass ich nun selbst in die Vergangenheitsform verfallen war.

Er lŠchelte. ãFŸrs erste hab ich keine weiteren Fragen, Miss Dort. Aber wenn ich Sie richtig verstehe, bleiben Sie noch eine Woche auf der Erde?Ò

Ich bestŠtigte und konnte gehen.

Auf dem Heimweg war es Tlotl, der seine Hand auf meinen Unterarm legte. Ich setzte das Shuttle auf dem Parkdeck auf und sah ihn an. Er spreizte die HŠnde und umfasste mein Gesicht. Ich lie§ es zu, šffnete ihm meinen Geist und er teilte mir mit, was ihn bewegte.

Er habe GrŸnde meinen Vater zu hassen, lie§ er mich wissen. Colcon habe seiner Mutter damals den Grippevirus Ÿbertragen, an dem sie gestorben sei.

Ich war platt. Wieso er mir das vorher nie erzŠhlt hŠtte?

Weil es nicht relevant sei, lie§ er mich wissen. Er habe meinen Vater kennen und schŠtzen gelernt. Es sei ihm klar geworden, dass dieser den Tod seiner Mutter keinesfalls gewollt hatte.

Wieso er mich jetzt daran teilhaben lasse?

Weil ich es wissen sollte. Weil alles bedacht werden mŸsse, was das Verschwinden Colcons erklŠren kšnne. Jedes Motiv, das dazu beigetragen haben mochte.

Ich kŸsste ihn. Nein, romantisches GeschwŠtz durfte ich von meinem Liebsten nie erwarten. Aber ich konnte ihm blind vertrauen.

Mutter hatte ein Abendessen vorbereitet. Sie selbst a§ nichts, sondern fragte uns aus, was Officer Macenzie von uns hatte wissen wollen. Ich registrierte Tlots prŸfenden Blick. Es mŸsse alles bedacht werden, was das Verschwinden meines Vaters erklŠren kšnne, hatte er gesagt. Welche Motive mochte meine Mutter haben?

Auf dem Weg zur Toilette fielen mir die Reisetaschen im Flur auf. Ich wollte sie eben ins GŠstezimmer tragen, da stand Sani plštzlich neben mir und hielt meine Hand fest. ãWir sollten erst Ÿberlegen, wie wir das mit dem †bernachten machenÒ, raunte sie mir zu. Offensichtlich wollte sie nicht, dass Tlotl es nebenan hšrte.

FŸhlte sie sich etwa auf einmal unwohl allein im Ehebett und wollte, dass ich mit ihr dort schlief? Sie hatte es doch selten anders gekannt!

ãIch dachte, Tlotl kšnnte vielleicht im Mainroom schlafen - Ò

Ich wollte es nicht glauben! ãMutterÒ, sagte ich empšrt, ãauch wenn es dir schwer fallen mag: ich liebe diesen Vulkanier!Ò Obwohl ich gleich das GefŸhl gehabt hatte, dass sie Tlotl nicht leiden konnte, hatte sie doch nie etwas gesagt. Ausgerechnet in dieser Situation nun! Ich fŸhlte mich derart verletzt, dass ich am liebsten auf dem Absatz kehrt gemacht hŠtte!

Tlotl erschien in der TŸr: ãKann ich helfen?Ò

Mutter, die HŠnde vors Gesicht geschlagen, schŸttelte den Kopf. Ich bemerkte TrŠnen zwischen ihren Fingern. ãSani, was ist los?Ò, fragte ich. Wahrscheinlich waren schlicht die Nerven mit ihr durchgegangen! Ich legte den Arm um ihre Schultern. Meine Mutter versteckte ihr Gesicht an meinem Hals und begann hemmungslos zu schluchzen. Tlotl stand hilflos daneben.

ãColcon kommt wieder!Ò, sagte ich, ãer ist doch noch immer wiedergekommen!Ò

ãNein!Ò, brach es aus meiner Mutter heraus, ãnein nie mehr!Ò

Ich schob Sani mit Tlotls Hilfe zurŸck in den Mainroom und drŸckte sie sanft auf die Kline. Ihr Schluchzen beruhigte sich allmŠhlich.

Schlie§lich setzt sie sich auf und putzte sich die Nase. Dann sagte sie mit Ÿberraschend ruhiger Stimme: ãSetz dich zu uns, Tlotl!Ò Er tat wie gehei§en und sah sie erwartungsvoll an.

ãIch habe Aufzeichnungen von Colcon gefundenÒ, sagte meine Mutter. Sie blickte abwechselnd Tlotl und mich an. Ich atmete tief durch und bemŸhte mich die Stille auszuhalten, in der sie nach Worten zu suchen schien.

ãIch habe sie vernichtet. Aber seitdem denke ich darŸber nach, warum er sie festgehalten hatÒ, fuhr sie schlie§lich fort, und: ãEs ging um Secta.Ò

ãMeine Mutter?Ò Ich spŸrte, wie  Tlotl neben mir kerzengerade wurde.

ãJa, um deine MutterÒ, entgegnete Sani. Sie hatte zu der alten Festigkeit in ihrer Stimme zurŸckgefunden. Als sei der Ausbruch vorhin ein Spuk gewesen! ãEr hat mich die ganzen Jahre belogen, Ena, uns alle!Ò Mit einem bitteren Lachen fŸgte sie hinzu: ãKulturforschung – das ist ein weites Gebiet!Ò

ãGibt es Anhaltspunkte, die zu der Vermutung Anlass geben, dass Colcon schuldhaft zum Tod meiner Mutter beigetragen hat?Ò, wollte Tlotl wissen.

Sie schŸttelte den Kopf und lŠchelte: ãGanz gewiss nicht absichtlichÒ, sagte sie.

Mit einem Mal war ich ganz sicher, dass sie wusste, wohin er verschwunden war: ãMutter, wo ist Vater?Ò, fragte ich heftig.

ãEr wollte zu euchÒ, entgegnete sie, ãich hatte ihm von euch erzŠhlt. Zu Secta habe ich kein Wort verloren. Was hŠtte es auch geŠndert? Ich habe ihn zum Mond geschossen.Ò

ãWas?!Ò, fragte ich entgeistert.

Meine Mutter stand auf. ãKommt mit, ich zeige es euch!Ò

Sie ging voran in den Flur und wir folgten ihr. Wir nahmen den Aufzug zum Parkdeck. Mutter starrte wŠhrend der Fahrt auf die TŸr und sagte kein einziges Wort, bis wir oben angekommen waren. Dann fŸhrte sie uns zu ihrem Shuttleflieger, der ein paar Meter entfernt von unserem stand. ãIch habe einen kleinen Umbau vorgenommenÒ, sagte sie und lŠchelte, ãeine Kleinigkeit nur, aber mit einem sehr schšnen Effekt.Ò

ãWas fŸr einen Umbau? Bitte erklŠre uns - Ò

ãDu wirst es gleich sehen!Ò, unterbrach Mutter mich und wandte sich Tlotl zu: ãInsofern bin ich nie Vernunftmensch gewesen. Ich habe bei allem, was ich geschaffen habe, neben dem pragmatischen den Šsthetischen Wert fŸr wichtig gehalten. Auch meine Ehe war mir nie ein reines ZweckbŸndnis.Ò Tlotl nickte.

ãWas soll das, SaniÒ, fragte ich ungehalten, ãwas hat dein Shuttle und dieses Gerede mit Vaters Verschwinden zu tun?Ò

Aber sie fuhr fort, als hŠtte sie mich gar nicht gehšrt: ãEs tut mir Leid, dass ich dir deinen Vater genommen habe.Ò

Wieso sagte sie das zu Tlotl? Mir war das alles zu viel auf einmal! Ich packte meine Mutter an den Schultern und zog sie zu mir herum. Da sah ich, dass sie unter TrŠnen lŠchelte. Sie umarmte mich und kŸsste mich auf die Stirn. ãColcon war immer ein ferner Stern fŸr michÒ, sagte sie, ãund genau so ist euer Vater auch von uns gegangen. Wenn du jetzt denkst, dass ich dir eine schlechte Mutter war, so sollst du wenigstens auch etwas Schšnes im GedŠchtnis behalten, Ena.Ò

Sie kŸsste mich noch einmal, dann drehte sie sich um, šffnete die Kapsel ihres Shuttles, nahm auf dem Pilotensitz Platz, startete den Antrieb und hob ab.

Ich stand wie gelŠhmt und versuchte zu verstehen. Dann packte ich Tlotls Arm, schŸttelte ihn und brŸllte laut Ÿber das MotorengerŠusch: ãWas hei§t ãeuerÒ? Wieso sagt sie ãdeinen - euer VaterÒ?Ò

Ich wei§ nicht, wie es sich mit Vulkaniern verhŠlt. Tlotl war ja nur ein halber. Von seinem Vater hatte er, bis er auf die Erde kam, nicht mehr gewusst, als dass er ein Mensch war. Vermutlich war es seinem Vater zuzuschreiben, dass ich ihn zum ersten Mal weinen sah. Er antwortete nicht. Aber es war auch nicht mehr nštig.

Ich hatte genug verstanden, um zu wissen, dass TrŠnen všllig unangebracht waren. GefŸhle! Liebe! Alles Blšdsinn! Ich wŸrde mir einen gro§en Eisschrank zulegen, in den ich alles packen wŸrde, was ich in dem letzten Jahr empfunden hatte!

WŠhrend wir dem Shuttle meiner Mutter nachsahen, das in einer steilen Flugbahn dem Mond zustrebte, der jetzt rund und leuchtend am Himmel stand, lie§ ich die NachtkŠlte in mich einsickern. Der Flieger war bald nicht mehr zu erkennen. Er musste die AtmosphŠre verlassen haben. - Ein kleiner Umbau! NatŸrlich, ein fehlender Dichtungsring genŸgte! Wenn es das Shuttle meines Vaters nur weit genug von der Erde zerlegt hatte, wŸrden die Einzelteile im Orbit kaum aufzufinden sein.

Ich streichelte Ÿber die noch kaum wahrnehmbare Wšlbung meines Bauches. Wie sollte ich das alles blo§ unserem Kind erklŠren? - Wer wei§! Vielleicht wŸrde es gar nicht nštig sein. Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit der DebilitŠt bei inzestušsen Halbvulschanen? Eine interessante Frage É

Ein strahlender Stern blitzte auf, irgendwo da oben, wohin meine Mutter entschwunden war. Eine Sternschnuppe. Ein letzter Gru§, den sie uns sandte. - Eine schšne Erinnerung!?