Projekt: ENZ

 

Zuerst sagte man mir, dass wir umziehen müssen, dann ging alles ganz schnell. Die Gründe sollte ich auf einen etwas anderen Weg herausfinden.

Aber ich beginne besser am Anfang. Es war wieder einmal ein Tag, an dem ich mich auf Ideensuche für meinen neuen Roman begab. Ich spazierte durch den Einkaufsdistrikt und ließ mich von den umherhetzenden Wesen inspirieren. In den kalten Zyklen verirrten sich für meinen Geschmack viel zu viele in den inneren Distrikt.

Ich ergatterte die letzte Ruheblase und machte es mir darin bequem. Ich bestellte ein Gedankensoda, denn neben dem, dass es das Denken anregte, schmeckte es wunderbar süß.

Dann sah ich ihn zum ersten Mal. Er stand auf dem Plaza und schaute verwirrt um sich. Seine Bewegungen wirkten gehetzt und ängstlich.

Das gerade ich es sein würde, der er sich anvertraute, kommt mir immer noch wie ein Wunder vor, oder doch eher wie ein Fluch?

Plötzlich bemerkte er mich. Ohne zu zögern kam er auf meine Ruheblase zu. Der seltsame Kerl sah mich eindringlich an. Ich wusste, dass er zu mir in die Blase wollte, überlegte aber noch, ob ich ihm wirklich aufmachen sollte. Für eine weibliche Xerone war es normalerweise kein Problem mit einem von seiner Statur fertig zu werden. Dieses Wissen beseitigte meine letzten Zweifel und ich ließ ihn schließlich eintreten.

Als er Platz genommen hatte, schaltete ich die Transparenz der Blase ab, woraufhin ein Landschaftsbild erschien.

„Ich muss mit dir reden“, sagte er gehetzt.

„Aber worüber denn? Wir kennen uns doch gar nicht.“ Er war mir unheimlich, trotzdem fühlte ich, dass keine Gefahr von ihm ausging. Da ich von Natur aus neugierig und auf Ideensuche war, entschied ich mich, ihm zuzuhören und nicht weiter abzublocken.

„Egal! Ich denke du bist mein geeigneter Nachfolger“, sagte er hastig.

Ich wollte gerade etwas erwidern, da schnitt er mir das Wort ab.

„Hör mir zu, wir haben nicht mehr viel Zeit. Das heißt, ich habe nicht mehr viel Zeit und wenn du mich nicht anhörst, ist auch deine bald zu Ende.“

Ich lehnte mich zurück. Nervös spielte ich mit meinen Händen.

„Unser Planet Xeron muss gereinigt werden. Wir haben ihn nun fast komplett zerstört und bevor wir es endgültig geschafft haben und wir alle unsere Heimat verlieren, müssen wir handeln.

Ich bin einer von zwanzig Wissenschaftlern und habe wichtige Informationen bei mir. Wenn die in die falschen Hände geraten, ist es aus und vorbei. Gemeinsam arbeiten wir schon seit vielen Jahren an dem Projekt ENZ. Es bedeutet: Ein neues Zuhause.“

„Aber wie kann ich da helfen?“, fragte ich verwirrt, zu mehr war ich nicht fähig, weil ich ihn nur ungern unterbrechen wollte.

„Man hat mir ein tödliches Serum gespritzt. Bereits in zwei Stunden ist von mir nicht mehr als eine ätzende Flüssigkeit übrig. Bitte, nimm den Chip und bringe ihn zu den anderen Wissenschaftlern. Man wird dir dort alles erklären.“

„Warum sollte ich das machen? Wieso sollte ich dir vertrauen? Sag es mir!“

Er zitterte am ganzen Körper und schwitzte unglaublich stark. Es schien ihm wirklich schlecht zu gehen.

„Dafür habe ich keine Zeit mehr. Du musst mir einfach vertrauen. Nimm den Chip und du wirst sehen, dass ich nicht gelogen habe.“

Ich war noch unschlüssig, aber dann sagte er etwas, dass mir meine Entscheidung erleichterte.

„Wir Wissenschaftler und ein kleiner Kreis Auserwählte werden den Planeten verlassen. Ich biete dir meinen Platz an. Die Reinigung unseres Planeten wird zwanzig Jahre dauern. In dieser Zeit wird alles Leben ausgelöscht werden und alles von Grund auf regeneriert. Eine Chance zu überleben haben nur die, die mitkommen.“

Ich weiß nicht, ob ich deswegen ein schlechtes Gewissen haben sollte, aber wer hätte an meiner Stelle nicht auch so gehandelt? Ich hatte hier niemanden, den ich zurücklassen musste. Also konnte ich ganz neu beginnen. Deshalb entschied ich mich sein Angebot anzunehmen.

Ein Stein, so groß wie ein Meteorit, schien vor Erleichterung von ihm zu fallen. Er überreichte mir den Chip, nannte mir die Adresse und gab mir eine Nachricht für die Wissenschaftler mit, in denen er ihnen die Situation erklärte, dann schickte er mich aus der Blase.

„Aber ich habe noch so viele Fragen“, rief ich.

Er nickte. „Und man wird sie dir alle beantworten. Doch leider werde ich es nicht sein, der das tut.“

Dann schloss sich die Öffnung und er verschwand aus meinem Sichtfeld und für immer aus meinem Leben.

Was soll ich sagen? Er hatte mit allem Recht. Ich sitze bereits in einem Raumschiff, mit Wesen die ich nicht kenne, auf den Weg zu einem neuen Planeten. Ich frage mich immer noch, warum er gerade mich ausgesucht hatte, doch das werde ich wohl nie erfahren.

In zwanzig Jahren wollen wir zurückkehren. Bis dahin wird die Erde unsere Heimat sein.