Braunes Herz
War ich Tod? Kalte Luft umgab mich. Der Hauch des Atems? Todesatem? Hauchte mein Körper seinen letzten Lebensfunken aus? Musste dass so kommen? Und wohin werde ich gelangen?
Ich sollte mich nicht länger quälen, sollte zufrieden sein, mit dem was ich erlebte. Mit dem, was mein Leben mir gab. Aber ich kann nicht! Zu stark ist der Wille … der Wille mehr zu sehen! Zu erfahren, zu wissen! Und zu verstehen! Wo blieb der Schmerz?
Wieder vernahm ich dieses Grollen … so unbekannt, so anders! Und tödlich! Wie ein Donnerschlag und einstürzendes Eismassiv zusammen. Ich konnte das Dröhnen nicht abhalten. Wusste ja nicht einmal ob ich in der Atmosphäre oder am Boden schwebte beziehungsweise lag!
Ob die Reise hierher gewollt oder ungewollt war ist jetzt auch egal. Als ich diese Welt betrat, kam mir nur eines in den Sinn, was wiedergab was meine Augen erblickten: „Schweizer Käse!“ Aber so braun wie Erde und von der Form her rund wie eine Kugel. Dieser braune Planet war abstrakt! Überall ragten unterschiedlich große Rören wie Stacheln eines Igels heraus. Der Durchmesser aber lag in etwa bei Menschengröße! Locker hätte ich dort hinein rutschen können wie bei einer Wasserrutsche. Und wie Saugrüssel kamen mir diese Stile vor. War es eine Art Pflanze, die alles was sich in sie verirrte verwertete? Ja, ich musste lachen … wegen dem Bild was sich mir ergab und wegen den Gedanken die mir in den Sinn kamen! Doch im nächsten Moment war mein Lachen verschwunden und mir wurde ganz anders zumute ….
Ich schluckte schwer. Schüttelte den Kopf und meine Augen musste aussehen …. Ja aussehen, als würde ich etwas Unglaubliches sehen, was ich nicht wahr haben wollte. Und so war es ja auch! Erst dieses Grollen, dass den Boden des Planten beben und erzittern ließ. Sofort fiel mir ein Name ein „Braunes Herz“. Lebte diese Welt? Würde sich bald unter mir der Boden öffnen und mich in sich aufnehmen – mich verwerten? Oder … würde sich ein Rüssel gleich unter mir bilden. Schlagartig fing ich an zu trippeln, konnte nicht mehr ruhig auf einem der Füße stehen, aber auch nicht auf dem Boden dieser Welt. Ich wünschte mich nur noch weg. Aber dass ging nicht! Ich musste mich gedulden …! Immer diese verdammten Spiele! Warum auch musste ich mich breit schlagen lassen, es ebenfalls testen zu wollen? Typisch! Weil ich zu gutmütig war … oder … eher … weil ich nicht „Nein“ sagen konnte. War es dass? Musste ich dass hier erleben, um aufzuwachen? Um zu sehen, dass ich endlich selbst entscheiden musste was ich tat und was nicht! Und mich zu nichts mehr drängen ließ? Aber … war es dafür nicht zu spät? „Nein!“ entfuhr es mir. Ich schüttelte den Kopf „Ich muss es selbst in die Hand nehmen … jedenfalls so lange ich noch kann.“ Und als erstes musste ich weg von diesem Fleck … mich fortbewegen, den Stillstand war nie gut! Viel zu lange hielt ich mich schon an einer Stelle auf. Und mit etwas Glück würden sie mich bald zurückholen. Wie gerne wünschte ich jetzt, es wäre noch die Zeit der Fiktivspiele … und nicht die der Realen! Wieder schüttele ich den Kopf „Warum habe ich mich nur breit schlagen lassen? Warum?“
Das Beben wurde immer stärker. Lange würde ich mich nicht mehr auf den Beinen halten können! Und im nächsten Augenblick bewahrheitete sich, was ich Sekunden zuvor noch dachte – ich geriet ins Straucheln. Stürtzte. Überschlug mich. Blieb liegen. Tief holte ich Atem. Um mich schien sich alles zu drehen. Wo war ich nur gelandet? Der Planet beherbergte Leben! Wenn er nicht selbst ein Lebewesen war! Lächerlich? So mancher Gedanke der einem sonst belustigend klingen mag erscheint einem in solchen Moment realer als nur real! Und in mir machte sich etwas breit … eine Ahnung von dem was kommen könnte … war dass mein letztes was ich von diesem Leben haben sollte?
Plötzlich geschah es! Die Erde riss auf! Nein, nicht ganz .. aus den Rüsseln schob sich etwas langes, riesenhaftes empor … immer weiter und weiter – wie eine Schlange. Doch es war nicht nur eines, es waren mehrere! Ich sah empor, tief über mir ragten Köpfte in die Lüfte wie Mammutbäume – nur schienen sie gefährlicher! Zungen so lang wie mein Bein fuhren aus silbern blitzenden Kiefern! Mit jedem herausschnellen schien die Luft zu erzittern und ich vernahm ein Zischen – ähnlichen dem einer Schlange! Nur dass die Zunge ruppig schien, wie mit Warzen übersäht die hart wie Nussschalen schienen. Im nächsten Moment sausten die Köpfe herab … zu mir!
Ich spürte Luftzüge, als würden direkt über mir Düsenjets durch die Luft jagen und vernah gleichzeitig eine Stimme „Willkommen junger Herr! Seid ihr es, der uns einst versprochen wurde?“ Sanft war der Klang, kaum zu dem äußeren der Wesen passend. „Wer seid ihr?“ dachte ich.
„Seid ihr unsere Hoffnung? Das Leben, das uns versprochen wurde? Oder seid ihr gekommen um zu vollenden was einst unterbrochen werden musste?“ Der letzte Satz traf mich mit einer wucht die mich hart gegen den Boden schlagen ließ. Immer wieder halte der Satz in mir nach „Oder … gekommen … um zu vollenden?“ Die Zungen dieser Drachekopfähnlichen Wesen schienen zu schnalzen. Immer wieder zuckte ich zusammen. Was also blieb mir übrig?
„Ich bin gekommen … von weit, weit her. Um euch zu geben was ihr wollt.“ dachte ich fest und versuchte all meine noch aufzubringende Überzeugung hineinzulegen. Schob die Gedanken an eine Rückkehr, eine Rettung meiner Freunde fort. Wenn nicht, wenn sie zu spät kamen? Dann war es aus … und so … ich verschaffte mir einen Puffer! Zeit war was ich brauchte – viel Zeit!
„So soll es geschehen.“ Erschall wieder die Stimme in seinem Geist. Kurz darauf stieg ein summen an und die Stimme setzte fort „Das Volk der Symalaia dankt dir. Wir werden lange davon zehren und dem Geschenk der Herren unseren Dank zu zollen.“ Ich atmete auf! Geschafft! Die Symalaia schienen überzeugt und froh gestimmt zu sein. „Und nun zu dir getreuer Gefährte. Geschenk unserer Herrn!“ Ich erschrak! Was sollte dass? Zuvor noch nannten sie mich „Herr“! Und jetzt? Zunehmend geriet ich in den stand eines … Opfers? „Wir nehmen dich in uns auf … Stück für Stück. Zehren von deinem Geist und deinem Körper … Jahrtausende wirst du so leben und mit uns leben. Du wirst sehen … Unser Geist in deinem Geist … unser Körper in deinem … Stück für Stück dich zu uns nehmend! Ich spürte ein starkes ziehen in mir, besser gesagt meinem Geist! Nein, dass durfte nicht geschehen! Ich wollte nicht zerteilt werden … in Stücke zerrissen! Was war mit meinem Leben? Meiner Seele? Meinem … Ich?
Und jetzt, jetzt schwebte ich in der Luft … wusste der Prozess hatte begonnen …. Und ich konnte nur auf meine Freunde hoffen … Jahrtausende würde ich haben … aber immer mehr von mir selbst verlieren? Was nur würden meine Freunde vorfinden, wenn sie einst daran dachte, mich aus dem Spiel der Realität zu entlassen. Da ein Piepston. Wie der eine Stimme – die vorige „Deine Freunde, junger Herr, scheinen dich nicht so gemocht zu haben. Sie haben dich abgeschaltet … abgekoppelt von ihrer Welt! Es scheint, als gehörst du nun ganz uns. Uns allein!“ Niemals! Meine Freunde würden so etwas nicht tun, oder? Sie waren doch meine Freunde? Ich spürte ein mentales Lachen und dazu immer wieder „Junger Herr!“ Wieder und wieder … bis ich in tiefe Dunkelheit fiel. Ich hoffe nur, niemals daraus zu erwachen …