Klaussss
Als der Raumgleiter seinen Geist aufgab, zog gerade die Nacht über Jorus 5 herauf. Solange der blaue und der gelbe Mond nicht ihr typisches grünes Licht auf den Planten warfen, konnten sich Menschen einigermaßen normal auf Jorus 5 bewegen, aber das unvermeidliche grüne Licht der beiden kristallinen Monde, das die Schwerkraft aufhob, schimmerte schon leicht über dem Horizont. Bald würden die Feuerkäfer auf Nahrungssuche gehen. Jenk überlegte nicht lange und manövrierte den Gleiter einigermaßen dicht an die Ortschaft unter ihm. Wäre die Navigation nicht ausgefallen, hätte Jenk gewusst, wo er war und sich sicher das Ganze noch einmal überlegt. Andererseits blieb ihm keine andere Wahl. Ihm fehlten Kühlmittel und sein Sauerstofftank war zwar noch halb voll, müsste aber trotzdem bei nächster Gelegenheit aufgefüllt werden.
Jenk erreichte das erste Gebäude als der Himmel schon ganz grün war und er langsam den Boden unter den Füßen verlor. Er war nur noch 2 Meter von der Haustür entfernt, als er bemerkte, dass sie sich langsam öffnete. Er versuchte sich etwas schneller an den Pflanzen im Vorgarten entlang zuhangeln. Er hatte gerade seine Hand im Türrahmen, als ein Pellgro hinter der Tür zum Vorschein kam.
Jenk zuckte zusammen. Er hatte sofort wieder die Nacht mit dem unseligen Kartenspiel auf Jorus 3 vor Augen, als er versucht hatte eben diesen Pellgro übers Ohr zu hauen. Letztendlich musste Jenk ohne Geld, mit einem blauen Auge und sturzbetrunken von dannen ziehen. Wenn er dem rotäugigen Pellgro nicht auch noch den ganzen Zaster für den inzwischen schrottreifen Raumgleiter schulden würde, hätte er sich die Schwerkraftstiefel kaufen und weiter in die Ortschaft hinein laufen können, aber das war jetzt egal.
Der Pellgro schnappte nach Jenk und zerrte ihn in das Innere des Hauses. Jenk bemerkte einen süßlichen Geruch in der Luft. Der Pellgro knallte die Tür zu und bugsierte Jenk in ein weiteres Zimmer, wo er ihn auf ein wabbeliges Sofa schupste. Der Geruch kam von dem Sofa, das aus Wackelpudding zu bestehen schien, aber eher so eine Art Pilz war.
Ein großer schwarzer Hund von unbestimmbarer Rasse saß ihm gegenüber an der Wand und starrte ihn mit heraushängender Zunge und funkelnden Augen an. Die Hunde hatten sich in diesem Sektor des Universums erst ausgebreitet, nachdem der Mensch ihn für sich erschlossen hatte. Davor waren Hunde hier unbekannt, bis ein dienstbarer Geist sie hierher schmuggelte. Die verschiedenen Rassen verbreiteten sich rasch und wurden herzlich aufgenommen. Vor allem gern mit den heimischen Tieren gekreuzt.
Jenk hoffte, das dieser Sitzriese nicht eine dieser Erdweltraumkreuzungen war, denn dann wäre er unter Umständen ein ziemlich wildes Tier.
Der Pellgro gab ein schnalzendes Geräusch von sich und der Hund fletschte die Zähne. Jenk lief es eiskalt den Rücken hinunter. Es war eine Kreuzung. Er würde mit der sich aufhebenden Schwerkraft genauso wenig Probleme haben wie sein Herrchen, der Pellgro.
Jenk verlor ganz langsam den Kontakt zu dem Sofa. Er schwebte bereits einige Zentimeter über der Sitzfläche, als der Pellgro ihm zu verstehen gab, dass er sein Geld gern wieder haben wollte. Er würde auch den vermeintlich defekten Raumgleiter zurücknehmen, wenn Jenk sich bereit erklären würde, die Wertminderung des Gleiters bis zum nächsten Ernteblock bei ihm abzuarbeiten. Dann würde der Pellgro in den nächsten Sektor fliegen, um Waren zu tauschen oder zu verkaufen und Jenk dort absetzen, wo er wollte. So wäre für Kost und Logis in den folgenden 10 Monaten gesorgt.
Jenk schwebte mittlerweile in der Mitte des Raumes und äußerte Verwunderung über ihr plötzliches aber doch so passendes Zusammentreffen.
Das habe er geregelt, erklärte der Pellgro, bevor Jenk aus seinem Rausch erwachte. Jetzt fiel es Jenk auch wieder ein. Pellgrogleiter konnte man wie einen Hund zu sich rufen. Das erklärte natürlich einige Probleme, die er während des Fluges mit der Maschine hatte..
„Hasssst du meine Hund gessssehen?“ Fragte der Pellgro mit hochgezogener Stirn und schaute Jenk mit seinen roten Augen an.
Jenk schluckte trocken. „Ja, ich habe ihn gesehen.“
Der Pellgro gab einen gurrenden Laut von sich und der Hund stand auf, kam durch den Raum und stellte sich genau unter Jenk, der inzwischen die Zimmerdecke erreicht hatte. Erst jetzt bemerkt er, dass der Hund Schlitzpupillen hatte wie eine Katze. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Das Tier war eine Mischung aus Rottweiler und Jestrum.
Die Jestren waren zum Teil äußerst feindselige Gesellen, die im ersten Moment an Katzen erinnerten. Meistens solange bis sie einen Laut von sich gaben, der wie das Gurren einer Taube von der Erde klang. Die Freude der Menschen wich blankem Entsetzen, wenn sich die schön gefärbten Tiere gleitend wie Schlangen auf sie zu bewegten. Diese zum Teil sehr gefährlichen Kreuzungen waren nur in diesem Teil des Universums bekannt. Es gab aber auch verschmuste Exemplare, die genauso aussahen wie die bösen, aber gerne schmusten und Gesichter ableckten.
Jenk hoffte auf letzteres, aber das Funkeln in den Augen dieses Riesenviehs ...
Der Pellgro deutete auf das Tier und presste „Klaussss“ zwischen seinen blauen Lippen hervor. Er verließ den Raum und kam nach einiger Zeit mit einem Getränk in der Hand zurück. Er machte es sich auf einem einzelnen Sitzmöbel bequem, das so bequem aussah wie ein Amboss. Er nahm ein paar Schluck und gab wieder ein gurrendes Geräusch von sich. Klaus setzte sich und starrte zu Jenk, der unter der Zimmerdecke klebte.
Der Pellgro öffnete eine kleine Klappe in der Wand neben seinem Sitzmöbel. Seine roten Augen funkelten diabolisch als er seine zweifingrige Hand nach dem Schwerkraftschalter ausstreckte. Es machte ein leises Klack und Jenk plumpste wie ein nasser Sack kreischend auf den Boden.
Er rollte sich sofort zusammen und hoffte, dass der Hund satt sei, aber der war mit einem Jaulen aufgesprungen und hatte sich gleich über Jenk her gemacht.
Der Pellgro schüttelte sich vor lachen. Der Hund war ein Schmuser und hatte Jenk im Nu total voll gesabbert. Das würden 10 lange lange Monate werden, denn der Pellgro amüsierte sich gerne auf Kosten anderer und Jenk war ihm gerade recht.