Wandi der Große

 

2. Februar 2149

 

Der Planet Zanog 5 war kein großer Planet aber seine Bewohner mochten ihn trotzdem. Doch sie waren auch sehr religiös. Und so geschah an diesem Morgen etwas Merkwürdiges.

 

Die junge Gali saß an ihrem Büro im Regierungsbüro. Der Regent war ihr direkter Vorgesetzter. Ohne Vorwarnung kam jener herein gestürmt.

„Es ist geschehen! Er ist da! Aktivieren sie das Komm-System!“

Der Regent verharrte vor dem System und wartete auf Galis Bestätigung. Diese bekam er durch ein kurzes Nicken.

„Hier spricht Regent Dawin. Wandi ist zurückgekehrt, wie es uns immer gelehrt wurde! Er ist gekommen, um uns in eine bessere Welt zu bringen!“

Gali sah ihn fragend an. Dawin reichte ihr ein Teleskopbild. Ein Komet war zu sehen, der direkt auf den Planeten zu flog.

„Aber Regent. Das ist nur ein riesiger Felsen.“, stellte sie schnell fest.

„Still! Wir werden alle erlöst! Morgen früh wird es uns besser gehen, als je zuvor!“, donnerte der Regent und verließ das Büro.

Gali konnte nicht verantworten, dass ihr Volk vernichtet wurde und machte einen riskanten Schritt.

 

Zur gleichen Zeit untersuchte die Crew der Hope die Gültigkeit von Sternenkarten. Captain Big stand neben seinem 1. Offizier Commander Miller und schaute sich mit ihm zusammen die Karten auf der Konsole des Sicherheitschefs Lt. Kline an.

„Bis jetzt stimmt alles!“, meldete Kline zufrieden.

Der gut gelaunten Captain sah ihn an.

„Sehr gut, Freddy!“

Dann summte es an Klines Station.

„Wir erhalten eine Komm-Nachricht, Sir!“

Big nickte ihm zu, was soviel hieß, wie: „Lassen Sie hören!“

Eine Frauenstimme erklang: „Hier spricht Gali von Zanog 5. Hört mich jemand?“

Big reagierte sofort.

„Hier spricht Captain Big vom Erdschiff Hope. Was ist los?“

„Ein Komet wird auf uns fallen! Alle glauben, dass es sich um einen Gott handelt, der uns in eine bessere Welt bringt…!“

Die Verbindung wurde unterbrochen. Big sah zu Miller.

„Sehr merkwürdig!“

„Die Systeme sind in Ordnung!“, meldete Kline nervös.

Captain Big dachte kurz nach. Er schritt zu der Konsole des Steuermanns Lt. Dix.

„Mr. Kline! Alle Untersuchungen abbrechen und Meldung ans Hauptquartier! Mr. Dix! Kurs setzen auf Zanog 5!“

„Kurs gesetzt, Sir!“

„Gut! Volle Kraft voraus!“

Die Blicke Bigs und Millers kreuzten sich.

„Dann wollen wir mal sehen, was da los ist!“

 

Gali saß in einer Zelle. Sie war dunkel und ziemlich primitiv ausgestattet. Als der Regent eintrat, sah sie ihn ausdruckslos an.

„Was sollte das? Sie waren doch immer zuverlässig!“, grummelte Dawin.

 

Gali erhob sich von einem Stuhl und stellte sich ihm genau gegenüber hin.

„Ich kann doch nicht zusehen, wie wir alle sterben.“

Die Mine des Regenten verfinsterte sich.

„Sehen Sie es endlich ein! Es ist unsere Erlösung!“

„Ich bin da jedenfalls nicht von überzeugt!“, meinte Gali und setzte sich wieder hin.

Der Regent rieb sich die Stirn.

„Na schön! Dann erleben Sie die Erlösung eben hier!“

Wütend verließ er die Zelle wieder und überließ Gali sich selbst.

 

Auf der Brücke der Hope stand Big vor dem großen Bildschirm.

„Was wissen wir über diese Welt?“, wollte er von dem soeben eingetroffenen Völkerexperten Willy Koba wissen.

„Die Bewohner sind ziemlich gläubig. Vor vielen Jahren ist schon einmal ein Komet vorbei geschrammt. Nur wenige Kilometer mehr und der Planet wäre heute Staub.“, gab Koba bekannt.

„Vielleicht kommt daher der Glaube, dass es sich um einen Gott handelt!“, vermutete der 1. Offizier.

Koba nickte.

„Das kann leicht sein.“

Lt. Dix unterbrach die Überlegungen.

„Ziel in Sichtweite!“

Big ließ die Hope ¼ der Kraft herunterbremsen und den Planeten untersuchen.

Klines Finger huschten über die Konsole der Sicherheitsstation.

„Ein Komet nähert sich dem Planeten! Durchmesser acht Kilometer!“

Millers Gesicht sprach Bände.

„Oh Mann!“

Damit drückte er wohl das aus, was alle anderen der Crew dachten.

 

Gali schaute aus einem kleinen Fenster. Sie sah, wie ihr Volk sich zu Gruppen versammelte und den Kometen anbetete. Sie konnte es nicht glauben, dass sie alle so geblendet war von ihrem Glauben.

 

Auf der Hope war Big von dem Bild des Kometen fasziniert.

„Stellen Sie eine Verbindung mit dem Planeten her!“

Kline führte den Befehl aus und nickte Big zu.

„Hier spricht Captain Big von der Hope. Wir wollen Ihnen helfen.“

Kurz darauf erklang Dawins Stimme.

„Hier ist Regent Dawin. Wir brauchen keine Hilfe. Von niemanden!“

„Aber ein Komet…!“

Der Regent unterbrach Big mitten im Satz.

„Wandi der Große wird uns erlösen! Und jetzt lassen Sie uns zufrieden!“

Big sah Kline fragend an.

„Die Verbindung wurde unterbrochen, Sir!“

Miller wandte sich an Big.

„Sir! Ich würde mit einem Team auf dem Planeten gehen und vor Ort mit dem Regenten sprechen.“

Big brauchte nicht lange überlegen. Es gab keine andere Lösung.

„Gute Idee. Nehmen Sie Mr. Kobe und Lt. Stone mit!“

„Aye, Sir!“, bestätigte Miller und verließ die Brücke.

 

 

Dawin sah aus dem Fenster seines Büros, als er zu Wandi betete. Nur noch wenige Stunden und er wäre erlöst. Dann würde er ein besseres Leben führen als jetzt. Aber sein Gebet wurde von einem Vorkommnis unterbrochen. Ein Jet landete vor seinem Amtssitz. Drei Personen verließen jenen. Wutentbrannt stampfte er davon, um die unerwarteten Gäste nach ihren Besuchsgrund zu befragen.

 

Chief Baxter, Chefingenieur der Hope betrat die Brücke.

„Sir! Mit gezielten Vibrationstorpedos könnte der Komet in viele kleine Stücke zerteilt werden und dann mit den Strahlern ganz zerstört werden!“

Big sah ihn zufrieden an. Es war immer gut, wenn man eine Lösung parat hatte.

„In Ordnung! Bereiten Sie alles vor, Chief!“

Der Chief bestätigte den Befehl und verließ die Brücke wieder, während Big den Kometen nicht aus den Augen ließ.

 

Auf dem Planeten standen Miller, Koba und Mary Stone vor dem Jet.

„Sieht ja ganz nett aus.“, meinte der Commander sich umblickend.

„Ein bisschen ruhig.“, bemängelte Lt. Mary Stone angespannt.

Koba sah zu ihr.

„Abwarten.“

Der Experte zeigte auf den schnaubend sich nähernden Dawin.

„Was wollen Sie und was wollen Sie?“, donnerte der Regent fast fauchend.

Miller trat vor.

„Wir wollen sie retten.“

Dawin schäumte vor Wut.

„Wovor?“

„Vor dem Kometen.“

Nun war Dawin nicht mehr zu beruhigen.

„So ein Quatsch! Das ist Wandi der Große! Vor 10000 Jahren war er schon einmal hier und hat gesagt, dass er zurückkehren wird! Dann wird er uns erlösen!

Dawins Kopf war wieder mal rot angelaufen. Dann winkte er Soldaten herbei.

„Nehmt diese Leute fest!“

Miller konnte es nicht glauben, wie verbohrt der Regent war und begab sich mit seinem Team in die Fänge der Soldaten.

 

Big war nervös.

„Wann trifft der Komet auf den Planeten?“

Kline sah zu seinen Anzeigen.

„In zwei Stunden, Sir!“

Der Captain aktivierte die Komm-Leitung durch das Betätigen eines Knopfes in der Sessellehne des Kommandosessels.

„Big an Baxter! Wie ist die Lage?“

Die Stimme des Chief erklang.

„In 15 Minuten sind die Torpedos fertig gestellt!“

„Verstanden. Big Ende.“

Der Captain sah zu Kline hinüber.

„Bereiten Sie alles vor, Freddy!“

„Aye, Sir!“

 

Die drei Raumfahrer fanden sich in einer Großraumzelle wieder.

„Warum haben die uns nur unsere Waffen abgenommen?“, fragte Mary Stone verwundert.

 

Gali, die eine Zelle weiter einsaß, hörte die Frage.

„Weil Sie nicht stören sollen und so die Erlösung miterleben können. Ich bin Gali, die sie gerufen hat.“

Miller stellte sich und seine Kollegen vor. Dann zog er sein Kom-Gerät.

„Miller an Hope!“

Der Commander wartete auf Antwort.

Die Stimme des Captains erklang.

„Hier Big.“

„Sir! Wir wurden inhaftiert!“

Big war sauer.

„Nun reichts! Wir zerstören diesen Kometen und holen Sie daraus!“

Gali schrie.

„Halt! Das dürfen Sie nicht tun! Wenn Sie ihn zerstören, wird mein Volk an nichts mehr glauben! Es würde verkümmern!“

Miller verstand was sie meinte.

„Sir! Gibt es nicht eine andere Möglichkeit?“

„Wir werden es prüfen! Haben Sie Geduld! Big Ende!“

 

Baxter und seine Assistentin Lt. Pata arbeiteten an den Torpedos, als Big sich meldete.

„Herbert! Wir dürfen den Kometen auf keinen Fall zerstören! Gibt es eine andere Möglichkeit den Planeten zu retten?“

Baxter überlegte kurz.

„Wir könnten ihn umleiten mit Hilfe von Düsen!“

„Machen Sie das! Die Zeit rennt!“

Big verstummte.

„Nun wird’s aber knapp!“, meinte Pata und lief mit Baxter davon.

 

Miller schaute aus einem Fenster der Zelle.

„Es wird Zeit! Sonst sind wir bald Geschichte!“

„Hat doch was. Dann sind wir ewig in Büchern zu sehen.“, scherzte Mary Stone, die dafür bekannt war, dass in sie solchen Situationen trotzdem einen kühlen Kopf behielt.

„Erst einen Monat an Bord und schon die letzte Mission!“, meinte Koba und setzte sich erstmal hin.

„Die machen das schon!“

Miller hoffte, dass er Recht hatte.

 

Der Chief betrat die Brücke der Hope.

„Sir! Die Strahlung ist so hoch, dass wir nicht selbst die Düsen anbringen können! Deswegen haben wir ein spezielles System entwickelt, was sich mitsamt Düsen in den Kometen bohrt! Wir schicken es mit speziellen Torpedos los!“

„Noch 10 Minuten bis Aufschlag!“, meldete Kline.

Big sah zu Freddy Kline.

„Torpedos laden!“

„Bereit, Sir!“

Big sah zum Bildschirm.

„Feuer!“

 

Die Torpedos schossen durchs All. Sie trafen auf den Kometen.

Baxter schaute auf die Anzeigen auf Klines Konsole.

„Systeme arbeiten! Zünde die Düsen!“

 

Miller konnte den Kometen mit bloßem Auge sehen.

„Wird knapp!“

Die Anderen sahen nun ebenfalls hinaus.

„Das wars wohl.“, meinte Mary und ihr Herzschlag wurde schneller.

Aber dann änderte der Komet die Flugbahn und flog am Planeten vorbei.

„Juhu!“, jubelte Mary und fiel Koba in die Arme.

 

Kurz Zeit später standen Kline und Big vor den Zellen.

„Schöne Wohnung.“, stichelte der Captain und lies sie frei.

Gali sah ihn an.

„Sie werden Sie hassen!“

Big lächelte sie an.

„Ach was! Das glaube ich nicht! Und nun raus hier!“

Die Gruppe verließ den Zellentrakt.

 

Regent Dawin kochte vor Wut, als er auf Big traf.

„Sie haben unseren Glauben geschändet.“

Er wirkte, als ob er sich mit Big prügeln wollte.

„Aber Regent! Wenn Wandi sie wirklich schon jetzt erlösen wollte, dann hätte er sich von uns nicht davon abhalten lassen. Also soll das heißen, dass Ihr Volk noch Zeit hat.“

Dawin wurde ruhiger und dachte nach.

„Das ist richtig! Kommen Sie Gali! Ich brauche Sie!“

 

Der Regent aktivierte das Komm-System.

„Hier spricht der Regent! Unser Gott Wandi hat uns gezeigt, dass wir noch Zeit haben! Wir sollten dankbar sein und unser Leben und den Glauben pflegen, bis er zurückkehrt!“

Dann wandte er sich an Gali.

„Es tut mir leid, was ich Ihnen angetan habe. Können Sie mir verzeihen?“

Gali sah ihn streng ein.

„Na gut. Dafür bekomme ich aber eine Einladung zum Essen.“

Der Regent lachte dröhnend.

„Einverstanden!“

Dawin war glücklich schimpfte sich einen Narren, dass er so reagiert hatte.

 

Wieder auf der Brücke der Hope angekommen, sah Big zu seinem 1. Offizier.

„So ist es Commander. Immer wieder was Anderes zu erleben.“

Miller wirkte müde.

„So etwas habe ich noch nie erlebt. Was für ein Glaubenskult.“

„Manche glauben an etwas, manche sind fanatisch.“, sagte der Captain und sah zu Dix. „Bringen Sie uns zu unserer alten Position! Halbe Kraft!“

Dix nickte knapp und gab den Kurs ein.

Big wandte sich an Miller.

„Ich mache nun ein Nickerchen. Sie übernehmen das Kommando.“

Big verließ die Brücke

Commander Peter Miller war zwar müde ohne Ende aber er war glücklich, denn er hatte das Kommando über dieses Schiff, wie es früher immer schon ein Traum von ihm war. Auch wenn es nur kurz war.

 

Ende!