Died out       

 

John Fraser langweilte sich im Kontrollraum der Infinity. Er schob Wache in der Zentrale des Schiffes, das zum erstenmal in den Pararaum vorgedrungen war. Die Besatzung bestand aus 6 Mann und im Maschinenraum war ebenfalls ein Wachposten. Die restlichen 4 Mann gingen wissenschaftlichen Aufgaben nach. Eigentlich waren die Wachen überflüssig, da die Infinity mit einer perfekten Technik ausgestattet war, aber für den Notfall hatte die Raumfahrtbehörde gefunden sollte besser menschliche Präsenz den Ernstfall verhindern. Die Infinity war hundert Meter lang und im Orbit um die Erde zusammengebaut worden. Die schlanke Schiffsform war das Ergebnis neuester Technologie. John sah gelangweilt auf das träge Wallen des Pararaums als plötzlich eines der Meßinstrumente eine fremde Energie anzeigte. John schüttelte ungläubig sein blondes ungekämmtes Haupt und holte sich die Anzeige auf seinen Monitor. Er war verblüfft aber eigentlich sollte da nichts sein, jedenfalls nach dem Verständnis seiner wissenschaftlichen Ausbildung. Er legte das Meßergebnis auf die Leitung ins Pararaumobservatorium, wo gerade Rose Dienst hatte. Sie beobachtete in ihrer Schicht die Erscheinungsformen der Energien des Pararaums, aber mit ihrem Instrumentarium konnte sie auch andere Energien analysieren. Rose bestätigte den Eingang der Meldung und machte sich an die Arbeit.

John widmete sich wieder seinen übrigen Anzeigen aber aus Neugierde lies er das Spektralmuster der unbekannten Energie durch einen der Parafunkautomaten untersuchen. Eigentlich war das Rose Aufgabe aber der Flug im Pararaum war so langweilig das John gern jede Gelegenheit zur Abwechslung wahrnam.

Rose Lyry war 1,73 groß, schlank und wohlgeformt. Sie hatte gepflegtes schwarzes Haar. Sie las die Anzeigen auf den Schirmen bezüglich der neu im Pararaum aufgetretenen Energie. Sie versuchte zuerst einmal Ursprung und Richtung der Energie festzustellen und ob es ein Strahl war oder eine sich in alle Himmelsrichtungen verbreitende Energie. Zu ihrer Überraschung konnte sie relativ schnell feststellen das es in Richtung eines nahe gelegenen Sternsystems wies. Seine Energie schwächte sich bereits ab. Deshalb versuchte Rose hastig den Strahl auszuwerten um festzustellen ob es sich um ein Funksignal handelte. Nach einigen Minuten schienen die Auswertungsergebnisse darauf hinzudeuten das es ein automatisches Notsignal war. Rose wurde richtig aufgeregt. Blitzschnell jagte sie das Notsignal durch den Hauptcomputer um es zu entschlüsseln. Gleichzeitig verständigte sie Thomas Ritter, den Kommandanten.

Thomas, der Kommandant, kam in das Observatorium und fragte gleich rundheraus was los war. Rose zeigte ihm die Auswertungen des Hauptcomputers, die inzwischen abgeschlossen waren. Der Rechner hatte das Signal entschlüsselt. Es bestand aus einem einfachen Code mit Informationen über eine Welt, die eine furchtbare Katastrophe heimgesucht hatte. Sie bat jedes vorbeifliegende Schiff um Hilfe. Anscheinend, so folgerten die beiden, waren sie von einer Ortungsstation auf der fremden Welt erfasst worden , da das Signal mit großer Präzision auf sie gerichtet gewesen war. Inzwischen war es nach einigen Minuten verstummt. Thomas geriet sehr ins Nachdenken und sagte zu Rose sie sollte das fremde System im Auge behalten. Dann ging er in die Zentrale.

Thomas Ritter ging eilig in die Zentrale und beraumte eine Versammlung der Besatzungsmitglieder an. Diese kamen nach einer Viertelstunde in die Zentrale. Thomas gab bekannt was sich gerade ereignet hatte und äußerte die Absicht nach der fremden Welt zu fliegen. Einige meinten das das zu gefährlich war und sie das lieber einer anderen Expedition von der Erde überlassen sollten. Aber die Mehrheit der Besatzung war der Ansicht des Kommandanten. Natürlich benachrichtigten sie auch die Erdzentrale, aber dazu mußten sie die den Pararaum verlassen. Thomas gab auch die Anweisung die 14 Kälteschläfer zu wecken, was eigentlich erst nach Ankunft in ihrem eigentlichen Zielsystem vorgesehen war. Mit einigen Erschütterungen und allen Besatzungsmitgliedern, die in ihren Zentralesitzen angeschnallt waren, fiel die Infinity in das normale Universum zurück. Nachdem das Hypertelegramm an die Erde abgeschickt war, fingen die Berechnungen für den neuen Kurs in das unbekannte System an. Gleichzeitig aktivierte der Kommandant die automatische Erweckung der Kälteschläfer.

Der Bordarzt ging in die Kälteschläfersektion um die Erweckung zu überwachen. Dan Healy kam an dem Schott an und gab seinen Code ein. Schon öffnete sich das Luk. Er wurde von dem Spiel der Lichter der Kontrollarmaturen empfangen, die ihm nach einem kurzen Blick verrieten das alles in Ordnung war. Dan löste die Erweckung des ersten Schläfers aus. Schon fing die Temperatur in der Box an zu steigen. Es bildeten sich erste Tropfenschleier an der durchsichtigen Seite des Sarkophags. Dan kannte den Kälteschläfer gut,es war der Kommandant der Bordmiliz Colonel Miller. Er sollte ihm bei der Erweckung der anderen Schläfer helfen. Ganz am Anfang der Kälteschlaftechnologie war das Erwecken ein tagelanger Vorgang. Jetzt dauerte es nur noch Stunden und es lief, einschließlich der notwendigen Spritzen, alles automatisch ab.

Captain Ritter studierte die Berechnungen für den neuen Kurs im Pararaum in das fremde System. Er war zufrieden mit den Berechnungen, die sehr schnell vom Piloten und den Rechnern erstellt waren. Es dauerte nach seinen Schätzungen nur noch ein Tag, ehe alle Schläfer wach waren. Dann konnten sie in das fremde System aufbrechen. Sie mußten die volle Besatzungsstärke haben, alles andere war zu unsicher, wie er dachte. Er hoffte es kamen keine gegenteiligen Befehle von der Erde. Thomas verzehrte sich vor Neugierde und Wissenshunger. Es war das erste Mal das sie kurz davor standen mit einer außerirdischen Intelligenz zusammen zu treffen. Er warf einen Blick auf die Anzeigen der Monitore und sah das der erste Kälteschläfer schon erwacht war. Er sprach noch einmal mit Rose, der Astronomin, über die Aufnahmen der optischen Teleskope von dem fremden System. Sie zeigten 7 Planeten. Die Entfernung zum Sonnensystem betrug etwa 15 Lichtjahre. Mit maximal 200facher Lichtgeschwindigkeit brauchten sie nur ein paar Tage bis dorthin.

John, der nach dem Meeting in die Kommandozentrale zurückgekehrt war, dachte darüber nach wie ungewöhnlich diese Entdeckung doch war. Zum ersten Mal traf eine menschliche Expedition auf eine nichtmenschliche Intelligenz. Dazu waren sie anscheinend gezielt kontaktiert worden. Auf der Erde gab es keine Möglichkeit ein Schiff im Überlichtflug anzupeilen. Das sprach schon mal für eine gewisse technische Überlegenheit. Sie hatten viel zu gewinnen, wenn alles erfolgreich verlief. Er vertraute dem Kommandanten und dem Rest der Besatzung. Schließlich hatten sie eine ungeheuer harte Ausbildung zum Astronauten hinter sich und waren unter vielen Tausend Bewerbern ausgewählt worden, diese Expedition zu bilden. Er übeflog die Armaturen und fand nichts ungewöhnliches. Sicherheitshalber fing er an die Waffensysteme des Schiffes durchzuchecken. Das reichte von einem Kurzstrecken Laser Abwehrsystem bis zu atomaren Sprengköpfen. Ihm fiel wieder ein wie erbittert manche auf der Erde dagegen gewesen waren die Atomraketen mitzunehmen. Aber im Endeffekt fand John das sie diese Bewaffnung auch brauchten. Schließlich konnte ihnen alles mögliche widerfahren. Aber manche auf der Erde waren so verblendet zu glauben das im Weltraum Waffen nichts zu suchen hatten. Aber um das durchzuhalten dürfte es kein außerirdisches Leben geben das vielleicht ganz anders über Waffen und Kriegschiffe dachte. Manche Menschen waren einfach verblendet und naiv.

Dan Healy öffnete den ersten Kälteschlafbehälter. Colonel Miller kommandierte die kleine Truppe aus Fallschirmjägern. Er hatte bereits die Augen offen und reckte und streckte sich. Miller fragte während ihn Healy untersuchte, ob sie schon im Zielsystem angekommen waren. Healy verneinte und sagte ihm das, was er wußte. Der Colonel machte einen zutiefst erstaunten Eindruck und sagte erstmal gar nichts und ließ die obligatorische Untersuchung über sich ergehen. Mit Hilfe des Doktors stand er auf und machte einige wackelige Schritte. Er setzte sich auf einen Stuhl in der Nähe und sagte zu Dan das er ihm eine Viertelstunde Zeit lassen sollte dann hülfe er ihm. Doktor Healy erwiderte das das nicht nötig sei. Der Colonel widersprach. In einer solchen Situation seien die anderen Besatzungsmitglieder unabkömmlich, sonst wäre er nicht alleine bei ihm aufgetaucht. Dan widersprach nicht mehr und sagte er bringe ihm erstmal eine Mahlzeit und etwas zu trinken. Der Colonel im Bewußtsein seiner schwachen Verfassung stimmte zu.

Nach etwa 5 Minuten tauchte der Doktor mit einem Essen auf und einer Flasche Wasser. Beides schlang der Frischerwachte gierig in sich hinein. Als der Colonel schließlich gesättigt aufstand, machte er einen wesentlich kräftigeren Eindruch als vorher. Ohne überflüssige Worte machten die beiden sich daran die restlichen Kälteschläfer aufzuwecken.

Nachdem die ganze Besatzung aufgewacht war und sich im Speiseraum versammelt hatte, machte der Kommandant Thomas Ritter noch einmal eine gründliche Bestandsaufnahme von dem was sie wußten. So war sichergestellt das alle, auch die Kälteschläfer, über die Änderung der Mission Bescheid wußten. Die Kälteschläfer erfüllte nach den Äußerungen des Kommandanten eine ungeheure Aufregung, so wie die normalen Besatzungsmitglieder. Der Speiseraum summte vor Gesprächen und die Besatzung löcherte Rose mit Fragen. Sie schlug vor das sie zur Versammlung sprach, so könnten alle Fragen auf einmal beantwortet werden. Nachdem Rose gesprochen hatte befahl der Kommandant alle auf ihre Stationen, das entscheidende Pararaum Manöver stand dicht bevor. Die Maschinen der Infinity dröhnten unter Vollast als sie die Grenze zwischen Normalraum und Pararaum durchbrach und auf 200fache Lichtgeschwindigkeit beschleunigte. Die Besatzung berechnete ihre Ankunft von jetzt in 2 Tagen im Zielsystem.

Nach zwei Tagen Flug verließ die Infinity am Rande des fremden Sonnensystems den Pararaum. Die Funkpeiler lauschten mit höchster Präzision in das System hinein, empfingen aber nur Rauschen. Die Teleskope tasteten die Planeten ab.Die äußeren 4 Planeten stellten sich als Gasriesen heraus mit jeweils einer großen Mondfamilie. Der erste Planet stand zu dicht an der gelben Sonne und war eine Gluthölle. Blieben nur noch der zweite und dritte Planet als Ursprung des Signals. Nachdem die Astronomen eine Weile gerechnet hatten erklärten sie das der zweite Planet in der Ökozone war, der Dritte dagegen am Rande der Ökozone. Also befahl der Captain Kurs auf den zweiten Planeten zu nehmen. Sowohl der zweite als auch der Dritte Planet waren erdähnlich genug um als Ursprung des Funksignals in Frage zu kommen. Als die Astronomen ein Radioteleskop auf den zweiten Planeten richteten, bekamen sie eine Menge Signale herein. Es waren jedoch Zeichen für eine starke radioaktive Strahlung auf dem zweiten Planeten. Die Besatzung fragte sich beklommen, was das zu bedeuten hatte.

Nach drei Tagen Flug durch den Normalraum und des Informationssammelns schwenkte die Infinity in eine Umlaufbahn um den Planeten ein. Die Infrarot- und Radioteleskope drangen durch die dichte Wolkendecke und sahen eine Menge Krater und seltsame regelmäßige Strukturen auf der Oberfläche. In der Nähe des Nordpols des Planeten stießen sie auf eine aktive Funkquelle und eine riesige Struktur, die bestimmt 600 Meter in den Himmel ragte. Sie durchmaß an der Basis etwa zwei Kilometer. Die Wissenschaftler rätselten was das wohl sein könnte und kamen zu dem Ergebnis das es wohl eine Siedlung sei. Sie beschlossen eine Kamerasonde hinunter zu schicken.

Voller Spannung verfolgte die Besatzung den Start der Sonde und ihr Hinabtauchen in die Atmossphäre. Nach einer halben Stunde übermittelte sie erste Bilder. Die Besatzung war verblüfft. Die kegelförmige Struktur die auf den Bildschirmen auftauchte war unverkennbar eine künstliche Struktur. Sie hatte eine grau-schwarze Farbe und auf ihrer Oberfläche verliefen regelmäßige gerade Strukturen, die wie Stützbalken aussahen. Neben dem Kegel waren unverkennbar Funkantennen zu sehen. Die Wissenschaftler zogen daraus den Schluß das der Kegel eine Siedlung war und das auf diesem Planeten irgendwann einmal eine technische Kultur existiert hatte. Der Kommandant beschloss, die Station direkt anzufunken. Erstaunlicherweise meldete sich die Station sofort und übermittelte einen Symbolcode, der wohl dazu diente eine fremde Sprache zu übersetzen. Das Erstaunen der Besatzung wuchs. Dann übermittelte der fremde Sender ein dickes Datenpaket. Die Wissenschaftler machten sich an die Entschlüsselung. Als sie damit fertig waren und der Kommandant es gelesen hatte, befahl er den Text über Interkom zu senden. Die Besatzung hörte gebannt zu.

Die Geschichte kurz erzählt beschrieb eine fremde insektenartige Kultur die in zwei Lager gespalten war. Sie hatte mindestens solange existiert wie die menschliche Art, war jedoch an etwas wichtigem gescheitert, nämlich der Atomkraft und einem Atomkrieg. Das Datempaket beschrieb eine fremde Art die über Königinnen für Nachwuchs sorgte. Sie sagte das da wo jeweils ein Krater war früher eine solche Siedlung existiert hatte wie sie hier vor sich sahen. Nur durch ein heimlich installiertes Abwehrsystem war diese Siedlung der Vernichtung entronnen. Dieses Volk stellte aber schnell fest das sie langfristig nicht überleben konnten da zu viel Radioaktivität und Biowaffen den Planeten verseuchten. Also bauten sie eine Ortungsstation und einen Sender nach ihren neuesten Erkenntnissen und bereiteten eine Botschaft vor. Sie wollten andere Zivilisationen warnen nicht den gleichen Fehler zu machen wie ihre Welt. Die Besatzung war erschüttert.

Die Bilder, die die Sonde schickte zeigten die Überreste dieser Zivilisation. Der kegelförmige Stock vermittelte einen Eindruck wie fremdartig diese Insektenzivilisation auf Menschen wirkte, das was sie hinterlassen hatten, vermittelte jedoch einen Eindruck wie ähnlich Menschen und diese Aliens sich jedoch waren.

Rose betrachtete den fremdartigen Stock und sah den Verlauf der stabilisierenden Strukturen, die den Stock wie ein Netz überzogen. Nachdenklich fragte sie sich wie das Ende über diese Wesen gekommen war, die anscheinend nicht zu einem anderen Planeten geflohen waren. Sie dachte ob sie wohl viele Schmerzen gehabt hatten als sie starben. Sie dachte daran zu welchem Gott diese Insekten wohl gebetet hatten. Sie wußte das die Erde nur knapp dem Atomkrieg entkommen war, später der Umweltverschmutzung. Wenn sie das Schicksal dieser Wesen betrachtete, konnten die Atomkraft und die Umweltverschmutzung nur kosmische Schwellen sein. Dann schweifte ihr Blick wieder zu dem Bild auf dem Monitor. Die Struktur des Stocks sah aus wie ein einsam stehender Berg, der mit einem Netz überzogen war. Seufzend machte sie sich wieder daran die Beobachtungen der Radioteleskope aus zu werten.

Die Infinity übermittelte alles per Pararaumfunk an die Erde, entsandte jedoch keine Landungsexpedition, da die Verseuchung des Planeten zu groß war. Erschüttert und entsetzt berechnete die Besatzung den Kurs zu ihrem eigentlichen Zielsystem. Sie nahmen Fahrt auf und ließen die fremde Welt hinter sich.