Rotation
Oder
Wer war General Spinaxis 31.1.81
Er hatte schon festgestellt, dass in dieser Welt andere Gesetze herrschten. Es hatte keinen Zweck, sich zu wundern, denn dann kam er aus dem Staunen nicht heraus. So folgte er nur stumm Alcane und hielt die Augen offen. Der Urwald um sie herum erschien ihm voller Geheimnisse und Gefahren, ebenso wie die Frau vor ihm.
Fremdartige Geräusche und Gerüche umgaben ihn. Er blickte sich öfters furchtsam um. Alcane vor ihm machte einen völlig sicheren Eindruck. Sie hielt an einem Baum mit flammend roten Früchten an. Eine der Früchte pflückte sie ab und betrachtete sie näher. „Es ist essbar“, stellte sie fest „aber es hat keinen Wert.“ Darauf pflückte sie eine gleichartige Frucht vom Nachbarbaum und bot sie ihm an.
„Ich verstehe nicht, sie sehen doch völlig gleich aus!“
„Sind sie aber nicht. Diese ist links gedreht und damit für deinen Körper völlig unverwertbar. Die andere ist dagegen rechts gedreht.“
Andreas nahm die beiden Früchte und besah sie von allen Seiten. Er konnte beim besten Willen keinen Unterschied erkennen und fragte sich zum hundertsten Male, woher Alcane das alles wusste. Sie schien überhaupt eine merkwürdige Beziehung zu den Dingen ringsum zu haben und alles gleichsam atomar zu sehen. Vor dem Absturz war sie ihm nicht anders erschienen, als andere Frauen. Er hatte, obwohl sie ganz attraktiv war, nie etwas anderes in ihr gesehen als seine Assistentin. Doch seit dem Absturz hatte sie die Führung übernommen. Sie zeigte sich den Gegebenheiten völlig angepasst, d.h. sie schien sich trotz der begrenzten Möglichkeiten und Einschränkungen ihres sterblichen Körpers doch mit allem abzufinden und in Harmonie zu leben. Dann hatte er es erkannt: Sie gehörte hierher. Er stellte ihr keine Fragen.
Sie ließen sich nieder und begannen von den Früchten des zweiten Baums zu essen. Er fand sie wohlschmeckend süß und saftig.
Plötzlich deutete sie nach oben und sagte: „Die „General Spinaxis“! sie suchen uns. Komm jetzt!“
Er konnte nichts durch das dichte Blätterwerk erkennen, aber er nahm hin, was sie sagte. Sie hatte immer Recht. Ziemlich eilig zerrte sie ihn nun hinter sich her. Anscheinend kannte sie ihr Ziel genau. Tatsächlich gelangten sie bald zu einer Lichtung, wo sie ein Beiboot der „General Spinaxis“ landen sahen. Freudig trat Andreas darauf zu, als er plötzlich Sterne und Kringel vor den Augen hatte, dann wurde alles schwarz. Als er wieder zu sich kam, lag er im Sanitätsraum der „General Spinaxis“. Mit voller Fahrt flog das Raumschiff zurück ins heimatliche Sonnensystem. Er fühlte sich ausgeschlafen und aktiv und sprang sofort auf: „Ich möchte Miss Sand sprechen!“ sagte er zum Doktor. Der hob erstaunt die Augenbrauen: „Miss Sand? Wer soll denn das sein?“ „Meine Assistentin, Miss Alcane Sand! Ich muss sofort mit ihr sprechen, es geht um den Planeten, den wir gerade besucht haben.“ Der Doktor blickte besorgt auf die Körpertemperaturanzeige. „Tut mit Leid, aber eine Miss Sand ist nicht an Bord.“
„Nicht an Bord! Soll das heißen, dass man sie auf dem Planeten zurückgelassen hat?“ Ohne eine weitere Entgegnung des Doktors abzuwarten, stürmte Andreas aus der Krankenstation auf die Brücke. „Captain, Captain, sie müssen sofort umkehren. Wir haben meine Assistentin auf dem Planeten zurückgelassen!“
Kapitän Holmes blieb ganz ruhig. „Auf dem Planeten ist kein intelligentes Lebewesen zurückgelassen worden. Sie können sich ja noch mal die Aufzeichnung vom Abflug ansehen. Es wurde außer Ihnen kein Mensch auf diesem Planeten geortet. Deshalb war es ja auch für uns so einfach, Sie zu finden:“
„Aber …aber sie ist doch mit mir gekommen und war die ganze Zeit bei mir bis zur Landung des Beiboots.“ Mitleidig blickte der Captain auf Andreas. „Dr. Helm hat mir gesagt, dass sie Anzeichen einer Vergiftung aufweisen. Haben Sie auf dem Planeten etwas gegessen?“
„Captain Holmes, ich bin Biologe!“
„Also, haben Sie etwas gegessen oder nicht?“ bohrte Holmes weiter.
„Nun ja…“ stotterte Andreas.
„sehen Sie!“ meinte Captain Holmes nachsichtig, „Sie sollen sich mit Selbstversuchen etwas zurückhalten.“
Ende